Beidseitige Endoprothesen-Operationen von Hüfte und Knie

ENDOPROTHETICUM Rhein-Main / Prof. Dr. med. K.P. Kutzner

Gleichzeitige Versorgung beider Gelenke in einer OP – Chancen, Risiken und moderne Möglichkeiten der bilateralen Endoprothetik

Einleitung: Wenn beide Gelenke betroffen sind – warum die Frage nach einer beidseitigen OP immer häufiger gestellt wird

Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Arthrose leiden selten nur an einem Gelenk. Besonders an Hüfte und Knie zeigt sich in der täglichen Praxis häufig ein beidseitiger Verschleiß, der die Mobilität massiv einschränkt. Die klassische Empfehlung lautete über Jahrzehnte: erst eine Seite, Monate später die andere.

Doch die Endoprothetik hat sich in den letzten 10–20 Jahren grundlegend verändert. Schonende OP-Techniken, optimierte Implantate, moderne Anästhesieverfahren und spezialisierte Zentren ermöglichen heute in ausgewählten Fällen eine beidseitige Versorgung von Hüft- und Knieprothesen – gleichzeitig in einer OP.

Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr ob, sondern für wen, unter welchen Voraussetzungen und mit welcher Expertise eine bilaterale Endoprothetik sicher und sinnvoll ist.


Was bedeutet „beidseitig“, „beidseits“ oder „bilateral“ in der Endoprothetik?

In der Medizin werden die Begriffe beidseitig, beidseits und bilateral synonym verwendet. Gemeint ist die Versorgung beider Körperseiten, also:

  • beide Hüftgelenke mit einer Hüftprothese / Hüft-TEP
  • beide Kniegelenke mit einer Knieprothese / Knie-TEP
  • oder beidseitige Schlittenprothesen bei isolierter Arthrose eines Kniekompartiments

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

  • zeitversetzt beidseitig (zwei getrennte Operationen)
  • gleichzeitig beidseitig in einer OP (simultan bilateral)

Dieser Artikel fokussiert sich bewusst auf die gleichzeitige bilaterale Versorgung in einer Operation, da genau hier die größten Fragen, aber auch die größten Fortschritte liegen.



Historische Entwicklung: Warum beidseitige Endoprothesen früher als riskant galten

Noch vor 15–20 Jahren wurde die gleichzeitige Implantation beider Hüft- oder Knieprothesen kritisch gesehen. Gründe waren unter anderem:

  • längere OP-Zeiten
  • höherer Blutverlust
  • eingeschränkte Anästhesie- und Überwachungsmöglichkeiten
  • weniger standardisierte Implantatsysteme
  • geringere Spezialisierung der Operateure

Die Folge: Beidseitige Eingriffe galten als Ausnahme, oft nur bei sehr jungen oder extrem fitten Patienten.


Der Paradigmenwechsel der letzten 10–20 Jahre in der Endoprothetik

Die moderne Endoprothetik ist heute eine hochstandardisierte Hochleistungsmedizin. Mehrere Entwicklungen haben den Weg für sichere bilaterale Operationen geebnet:

1. Schonendere OP-Methoden an Hüfte und Knie

Minimalinvasive und muskelschonende Zugänge reduzieren:

  • Weichteiltrauma
  • Blutverlust
  • postoperative Schmerzen
  • Rehabilitationsdauer

Gerade bei der Hüft-TEP und der modernen Knie-TEP ist der Gewebeschaden heute deutlich geringer als früher.

2. Moderne Implantate und differenzierte Konzepte

Statt „One-fits-all“ stehen heute zur Verfügung:

  • anatomisch optimierte Hüftprothesen
  • moderne Knieprothesen mit stabiler Kinematik
  • Schlittenprothesen als gelenkerhaltende Option bei geeigneter Indikation

Gerade die Möglichkeit, beidseitige Schlittenprothesen zu implantieren, erlaubt eine besonders schonende bilaterale Versorgung.

3. Fortschritte in Anästhesie und perioperativem Management

  • Regionalanästhesieverfahren
  • optimierte Schmerzkonzepte
  • Blutmanagement (Patient Blood Management)
  • frühe Mobilisation noch am OP-Tag

Diese Faktoren sind entscheidend für den Erfolg einer gleichzeitigen bilateralen OP.


Beidseitige Hüftprothese (bilaterale Hüft-TEP) in einer OP

Die beidseitige Versorgung mit einer Hüftprothese ist heute bei ausgewählten Patienten eine etablierte Option.

Wann ist eine gleichzeitige bilaterale Hüft-TEP sinnvoll?

  • beidseitig fortgeschrittene Coxarthrose
  • vergleichbarer Beschwerdegrad beider Hüften
  • guter Allgemeinzustand
  • keine relevanten internistischen Kontraindikationen

Vorteile der gleichzeitigen Versorgung beider Hüften

  • nur eine Narkose
  • ein Krankenhausaufenthalt
  • eine Rehabilitationsphase
  • symmetrisches Gangbild von Beginn an
  • schnellere Rückkehr in Alltag und Beruf

Gerade aktive Patienten empfinden den einmaligen Eingriff häufig als psychisch und organisatorisch entlastend.


Beidseitige Knieprothese (bilaterale Knie-TEP) in einer OP

Auch an den Knien zeigt sich Arthrose häufig beidseits. Die gleichzeitige bilaterale Knie-TEP stellt jedoch höhere Anforderungen als die Hüfte.

Besonderheiten der bilateralen Knie-TEP

  • höhere funktionelle Belastung in der Frühphase
  • intensivere Physiotherapie notwendig
  • exakte Implantatausrichtung essenziell

In erfahrenen Händen und bei sorgfältiger Patientenauswahl kann die bilaterale Knie-TEP dennoch sicher und effektiv durchgeführt werden.


Beidseitige Schlittenprothese – wenn „weniger mehr“ ist

Die Schlittenprothese ersetzt nur den geschädigten Anteil des Kniegelenks. Bei isolierter medialer oder lateraler Arthrose kann dies beidseits erfolgen – teilweise sogar besonders elegant.

Vorteile der beidseitigen Schlittenprothese

  • Erhalt großer Teile des natürlichen Kniegelenks
  • schnellere Rehabilitation
  • geringerer operativer Stress
  • sehr natürliches Bewegungsgefühl

Gerade bei beidseitiger, symmetrischer Arthrose kann dies eine exzellente Lösung sein – wenn die Indikation stimmt.


Sicherheit durch Erfahrung: Warum die Expertise des Operateurs entscheidend ist

Die gleichzeitige bilaterale Endoprothetik gehört nicht in unerfahrene Hände. Entscheidend sind:

  • hohe Fallzahlen
  • standardisierte Abläufe
  • eingespieltes OP-Team
  • Erfahrung mit Komplikationsmanagement

Ein Beispiel für dieses Konzept ist Endoprotheticum Rhein-Main in Mainz unter der Leitung von Prof. Dr. med. Karl Philipp Kutzner.

Prof. Kutzner zählt zu den führenden Spezialisten für Hüft- und Knieendoprothetik und verfügt seit über 15 Jahren über umfangreiche Erfahrung in der beidseitigen Versorgung von Hüftprothesen, Knieprothesen und Schlittenprothesen – auch in einer OP.


Für wen ist eine beidseitige Endoprothesen-OP nicht geeignet?

Nicht jeder Patient profitiert von einem simultanen Eingriff. Relative oder absolute Ausschlusskriterien können sein:

  • relevante Herz- oder Lungenerkrankungen
  • stark eingeschränkte Belastbarkeit
  • schwere Stoffwechselerkrankungen
  • fehlende Rehabilitationsfähigkeit

Die Entscheidung muss immer individuell getroffen werden.


Ist eine beidseitige Endoprothesen-OP gefährlicher als zwei getrennte Operationen?

Diese Frage ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt bei der Entscheidung für oder gegen eine gleichzeitige bilaterale Versorgung.

Kurzantwort:


Eine beidseitige Endoprothesen-Operation ist bei sorgfältiger Patientenauswahl und hoher operativer Expertise nicht grundsätzlich gefährlicher als zwei getrennte Eingriffe – sie erfordert jedoch ein spezialisiertes Zentrum und erfahrene Operateure.

Die differenzierte Realität hinter der Kurzantwort

Frühere Studien zeigten teilweise erhöhte Komplikationsraten – allerdings unter Bedingungen, die nicht mehr dem heutigen Stand der Medizin entsprechen. Moderne Daten berücksichtigen:

  • optimierte OP-Techniken
  • kürzere Operationszeiten
  • modernes Blutmanagement
  • verbesserte Narkoseverfahren
  • strukturierte Fast-Track-Konzepte

Entscheidend ist nicht ob beidseitig operiert wird, sondern wie, wo und bei wem.


Typische Risiken bei gleichzeitiger bilateraler Endoprothetik – ehrlich und transparent

Auch moderne Medizin ist nicht risikofrei. Wichtig ist eine realistische Einordnung.

Allgemeine OP-Risiken (unabhängig von ein- oder beidseitig)

  • Infektionen
  • Thrombosen und Embolien
  • Wundheilungsstörungen
  • Narkoserisiken

Spezifische Aspekte bei beidseitigen Eingriffen

  • längere OP-Dauer
  • höherer initialer Belastungsbedarf für den Kreislauf
  • intensivere Frührehabilitation

Wichtig: Diese Faktoren sind heute kontrollierbar, wenn sie antizipiert und professionell gemanagt werden.


Warum moderne Zentren heute bessere Ergebnisse erzielen als früher

Die Endoprothetik hat sich zu einem hochgradig spezialisierten Fachbereich entwickelt. Erfolgreiche bilaterale Operationen beruhen auf mehreren Säulen:

1. Standardisierte Abläufe statt individueller Improvisation

Jede beidseitige OP folgt klaren Protokollen:

  • OP-Reihenfolge
  • Zeitmanagement
  • Lagerungskonzepte
  • intraoperative Kontrolle

2. Patient Blood Management (PBM)

Ein entscheidender Fortschritt der letzten Jahre:

  • präoperative Optimierung des Hb-Werts
  • minimaler Blutverlust durch OP-Technik
  • restriktive Transfusionsstrategien

Dadurch ist die Notwendigkeit von Bluttransfusionen heute dramatisch gesunken – ein wesentlicher Sicherheitsgewinn.


Beidseitige OP = doppelte Belastung? Warum das nicht automatisch stimmt

Ein häufiger Denkfehler: Zwei Gelenke = doppelte Belastung.
In der Realität ist die Belastung
anders verteilt, nicht zwingend höher.

Einseitige OP – versteckte Probleme

  • Überlastung der nicht operierten Gegenseite
  • asymmetrisches Gangbild
  • verzögerte Rehabilitation

Beidseitige OP – symmetrischer Neustart

  • gleichmäßige Belastung
  • koordiniertes Bewegungstraining
  • keine „Schonseite“

Viele Patienten berichten subjektiv von einem harmonischeren Bewegungsgefühl nach gleichzeitiger Versorgung.


Rehabilitation nach beidseitiger Hüft- oder Knieprothese

Was ist anders – und warum sie gut planbar ist

Die Reha ist der Schlüssel zum Erfolg. Bei beidseitigen Eingriffen gelten angepasste, aber keineswegs schlechtere Konzepte.

Frühphase (Tag 1–5)

  • Mobilisation meist am OP-Tag oder Folgetag
  • Gehhilfen von Beginn an
  • Fokus auf Gleichgewicht & Sicherheit

Weiterführende Rehabilitation

  • intensivere Physiotherapie
  • Koordination statt Schonung
  • konsequente Muskelaktivierung beider Seiten

Gerade motivierte Patienten profitieren von der klaren Struktur: ein OP-Termin, eine Reha, ein Ziel.


Beidseitig gleichzeitig oder zeitversetzt? Der direkte Vergleich

Vorteile der gleichzeitigen bilateralen OP

  • nur eine Narkose
  • ein Krankenhausaufenthalt
  • ein Reha-Zeitraum
  • schnelleres funktionelles Gesamtresultat
  • weniger Gesamtausfallzeit (Beruf, Alltag)

Vorteile der zeitversetzten OP

  • geringere unmittelbare Belastung
  • längere Erholungszeit zwischen den Eingriffen

Die richtige Entscheidung ist individuell – pauschale Empfehlungen sind unseriös.


Alter als Ausschlusskriterium? Ein überholter Mythos

Früher galt: beidseitig nur bei jungen Patienten.
Heute zählt nicht das Alter, sondern:

  • biologischer Zustand
  • Fitness
  • Begleiterkrankungen
  • Motivation
  • soziale Unterstützung

Es gibt fitte 75-Jährige und hochbelastete 55-Jährige – moderne Endoprothetik denkt nicht mehr in Lebensjahren.


Kosten, Privatanteil und Einzelkostenübernahme

Ein Thema, das offen angesprochen werden muss

Gerade bei beidseitigen Eingriffen stellen sich finanzielle Fragen.

Grundsätzlich gilt:

  • medizinische Notwendigkeit steht im Vordergrund
  • beidseitige OP kann wirtschaftlich sinnvoller sein als zwei getrennte Aufenthalte

Wichtige Ergänzung:

  • Einzelkostenübernahmen durch gesetzliche Krankenkassen sind möglich
  • insbesondere bei spezialisierten Zentren und klarer Indikation

Eine transparente Beratung ist hier essenziell – medizinisch wie organisatorisch.


Warum Erfahrung bei beidseitigen Endoprothesen den Unterschied macht

Die gleichzeitige bilaterale Versorgung ist kein „Doppelklick“, sondern ein eigenständiges OP-Konzept.

Erfolgsfaktoren sind:

  • langjährige Erfahrung
  • hohe Fallzahlen
  • strukturierte Nachbehandlung
  • realistische Patientenerwartungen

Genau hier trennt sich Routine von echter Spezialisierung.


Beidseitige Hüftprothese vs. beidseitige Knieprothese

Warum diese beiden Eingriffe nicht gleich bewertet werden dürfen

Obwohl Hüft-TEP und Knie-TEP im Alltag oft gemeinsam genannt werden, unterscheiden sie sich fundamental – insbesondere bei der beidseitigen, gleichzeitigen Versorgung.


Die beidseitige Hüftprothese (bilaterale Hüft-TEP) – medizinisch oft gut kalkulierbar

Die Hüfte ist biomechanisch ein kugelgelenksbasiertes, sehr stabiles Gelenk. Das macht sie – bei entsprechender Technik – vergleichsweise gut geeignet für bilaterale Eingriffe.

Typische Merkmale der bilateralen Hüft-TEP

  • schnelle Belastbarkeit
  • gutes muskuläres Gleichgewicht
  • frühe Gangstabilität
  • relativ geringe postoperative Schwellung

Viele Patienten sind bereits wenige Tage nach der OP beidseits vollbelastbar (unter Nutzung von Gehhilfen).

Typische Patientengruppe

  • beidseitige Coxarthrose mit vergleichbarem Stadium
  • hohe Motivation zur Mobilisation
  • Wunsch nach einem klaren, einmaligen Therapieschritt

Gerade hier zeigt sich der Vorteil: keine „gute“ und keine „schlechte“ Seite mehr.


Die beidseitige Knieprothese (bilaterale Knie-TEP) – anspruchsvoll, aber machbar

Das Kniegelenk ist biomechanisch deutlich komplexer:

  • roll-gleitende Bewegung
  • Abhängigkeit von Bandspannung
  • höhere funktionelle Anforderungen

Daher gilt die bilaterale Knie-TEP zu Recht als anspruchsvoller.

Besonderheiten bei der beidseitigen Knie-TEP

  • intensivere Schmerztherapie erforderlich
  • koordinativ anspruchsvollere Frühphase
  • höhere Anforderungen an die Physiotherapie

Aber: In erfahrenen Zentren mit klaren Fast-Track-Strukturen ist auch die beidseitige Knie-TEP heute eine etablierte Option.


Beidseitige Schlittenprothese – die oft unterschätzte Königsdisziplin

Die Schlittenprothese (unikompartimenteller Kniegelenkersatz) spielt eine besondere Rolle bei beidseitiger Arthrose.

Wann ist eine beidseitige Schlittenprothese möglich?

  • isolierte mediale oder laterale Arthrose beider Knie
  • intakte Kreuzbänder
  • stabile Seitenbänder
  • kein relevanter Achsfehler

Warum „weniger“ hier tatsächlich mehr sein kann

Im Vergleich zur Knie-TEP:

  • geringerer operativer Stress
  • schnelleres funktionelles Ergebnis
  • natürlicheres Bewegungsgefühl
  • kürzere Rehabilitationszeit

Gerade bei beidseitigem Befall kann dies für ausgewählte Patienten die eleganteste Lösung darstellen.


Kombinationen: Nicht jede beidseitige OP ist symmetrisch

Ein wichtiger Punkt, den viele Online-Texte auslassen:
Beidseitig bedeutet
nicht zwangsläufig identisch.

Mögliche Kombinationen in einer OP oder Behandlungsstrategie

  • beidseitige Hüftprothese
  • beidseitige Knie-TEP
  • beidseitige Schlittenprothese
  • z.B. Knie-TEP links + Schlittenprothese rechts

Die moderne Endoprothetik ist differenziert, nicht dogmatisch.


Die richtige Patientenauswahl – der wichtigste Sicherheitsfaktor überhaupt

Die beste OP-Technik ersetzt keine kluge Indikation.
Bei der Entscheidung für eine beidseitige Endoprothesen-OP spielen mehrere Ebenen eine Rolle.

Medizinische Kriterien

  • stabiler Herz-Kreislauf-Zustand
  • gute Lungenfunktion
  • kontrollierte Begleiterkrankungen
  • ausreichende Muskelkraft

Funktionelle Kriterien

  • Fähigkeit zur aktiven Mitarbeit in der Reha
  • Gleichgewicht und Koordination
  • realistische Erwartungen

Psychosoziale Kriterien

  • Motivation
  • Unterstützung im häuslichen Umfeld
  • Bereitschaft zur aktiven Nachbehandlung

Gerade dieser letzte Punkt wird häufig unterschätzt – dabei entscheidet er maßgeblich über den Erfolg.


Vorbereitung auf eine beidseitige OP – was Patienten selbst aktiv tun können

Die Qualität der Vorbereitung beeinflusst den OP-Erfolg messbar.

Sinnvolle Maßnahmen vor der OP

  • gezieltes Muskeltraining
  • Gewichtsoptimierung
  • Nikotinverzicht
  • realistische Aufklärung über den Ablauf

Ein gut vorbereiteter Patient ist kein passiver Empfänger, sondern ein aktiver Teil des Behandlungserfolgs.


Warum spezialisierte Zentren bei bilateralen Eingriffen überlegen sind

Beidseitige Endoprothesen erfordern:

  • eingespielte OP-Teams
  • Erfahrung mit längeren OP-Zeiten
  • strukturierte postoperative Konzepte
  • klare Notfall- und Komplikationspfade

Genau deshalb werden solche Eingriffe bevorzugt in spezialisierten Einrichtungen wie dem Endoprotheticum Rhein-Main durchgeführt, wo langjährige Erfahrung mit der gleichzeitigen Versorgung von Hüft- und Knieprothesen sowie Schlittenprothesen vorhanden ist.


Erfahrungsmedizin trifft Strukturmedizin

Ein zentrales Merkmal moderner Endoprothetik ist die Verbindung von:

  • individueller chirurgischer Erfahrung
  • standardisierten Prozessen
  • evidenzbasierter Entscheidungsfindung

Das ist insbesondere bei beidseitigen Eingriffen der Schlüssel zu Sicherheit und guten Ergebnissen.


Wie läuft eine beidseitige Endoprothesen-OP konkret ab?

Eine gleichzeitige bilaterale Versorgung von Hüft- oder Knieprothesen ist kein improvisierter Doppeleingriff, sondern folgt einem klar definierten, standardisierten Ablauf.

Präoperativ – die Weichenstellung

Bereits vor dem OP-Tag erfolgt:

  • umfassende internistische Abklärung
  • individuelle OP-Planung beider Seiten
  • Festlegung der Implantatstrategie
  • Definition des Nachbehandlungskonzepts

Gerade bei beidseitigen Eingriffen ist diese Planungsphase entscheidend.


Die Operation selbst: Reihenfolge, Dauer und Struktur

Welche Seite wird zuerst operiert?

In der Regel:

  • zuerst die stärker betroffene Seite
  • alternativ die funktionell schlechtere Seite

Die Entscheidung ist kein Dogma, sondern Teil der individuellen OP-Strategie.

OP-Dauer bei beidseitiger Versorgung

  • beidseitige Hüftprothese: häufig 90–120 Minuten
  • beidseitige Knieprothese: ca. 120–150 Minuten
  • beidseitige Schlittenprothese: oft deutlich kürzer

Moderne OP-Technik bedeutet: zwei präzise Eingriffe – kein unnötiger Zeitverlust.

Lagerung und OP-Setting

  • sterile Neuabdeckung zwischen den Seiten
  • konsequente Infektionsprophylaxe
  • eingespieltes OP-Team mit klarer Aufgabenverteilung

Beidseitig heißt nicht „durchziehen“, sondern strukturiert wiederholen.


Direkt nach der OP: Aufwachen, Mobilisation, Sicherheit

Aufwachphase

  • moderne Anästhesieverfahren
  • schnelle Kreislaufstabilisierung
  • frühe Schmerzadaptation

Viele Patienten berichten, dass sie sich weniger erschöpft fühlen als erwartet – ein Effekt der heutigen Narkosekonzepte.

Mobilisation: Wann darf man aufstehen?

In den meisten Fällen:

  • am OP-Tag oder am ersten postoperativen Tag
  • beidseits mit Gehhilfen
  • unter physiotherapeutischer Anleitung

Der Mythos der „langen Bettlägerigkeit“ ist längst überholt.


Schmerzmanagement bei beidseitigen Eingriffen

Ein häufiges Vorurteil lautet: zwei Gelenke = doppelte Schmerzen.
In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild.

Moderne Schmerzkonzepte

  • multimodale Schmerztherapie
  • lokale Infiltrationstechniken
  • Vermeidung hoher Opiatdosen

Das Ziel ist Bewegung ermöglichen, nicht Schmerz komplett „wegdrücken“.


Fast-Track- und Enhanced-Recovery-Konzepte

Die meisten spezialisierten Zentren arbeiten heute nach strukturierten Fast-Track-Konzepten.

Kernelemente

  • frühe Mobilisation
  • gezielte Physiotherapie
  • klare Tagesziele
  • kurze Liegezeiten

Gerade bei beidseitigen Operationen sind diese Konzepte kein Luxus, sondern Voraussetzung für gute Ergebnisse.


Rehabilitation nach beidseitiger Hüft- oder Knieprothese

Stationär oder ambulant?

Beides ist möglich – abhängig von:

  • allgemeinem Zustand
  • häuslicher Situation
  • Motivation und Mobilität

Beidseitig operierte Patienten profitieren häufig von einer eng strukturierten Reha, egal ob stationär oder intensiv ambulant.

Inhalte der Reha

  • Gangschule mit symmetrischem Fokus
  • Muskelaufbau beider Seiten
  • Koordination und Gleichgewicht
  • Alltagsübungen (Treppen, Aufstehen, Sitzen)

Der große Vorteil: kein Schonverhalten für eine „nicht operierte“ Seite.


Alltag nach beidseitiger Endoprothese

Gehen

  • mit Gehhilfen meist sofort
  • schrittweise Steigerung der Belastung
  • symmetrisches Gangbild von Beginn an

Treppensteigen

  • früh erlernbar
  • anfangs mit Geländer
  • Koordination steht im Vordergrund

Autofahren

  • nach Hüftprothese meist nach einigen Wochen
  • nach Knieprothese abhängig von Kraft & Reaktion
  • immer individuell ärztlich abklären

Arbeit

  • Büroarbeit oft nach wenigen Wochen möglich
  • körperliche Arbeit abhängig vom Belastungsprofil


Psychologischer Effekt der gleichzeitigen Versorgung

Ein oft unterschätzter Aspekt: der mentale Gewinn.

Viele Patienten berichten:

  • klare Entscheidung statt „zweite OP im Kopf“
  • höhere Motivation in der Reha
  • schnelleres subjektives „Zurück im Leben“-Gefühl

Beidseitig kann – richtig gemacht – emotional entlastend sein.


Häufige Fragen (FAQ)

Ist eine beidseitige Hüft- oder Knieprothese in einer OP sicher?

Ja, bei sorgfältiger Patientenauswahl und hoher operativer Expertise gilt die gleichzeitige bilaterale Versorgung heute als sicher und etabliert.

Wie lange dauert die Erholung nach einer beidseitigen OP?

Die frühe Mobilisation beginnt meist sofort. Die Gesamt-Rehabilitationszeit unterscheidet sich oft weniger als erwartet von zwei zeitversetzten Operationen.

Ist die Belastung nach der OP nicht zu groß?

Nein. Durch symmetrische Mobilisation und moderne Schmerzkonzepte ist die Belastung gut steuerbar – oft sogar funktionell günstiger als einseitig.

Für wen ist eine beidseitige OP besonders geeignet?

Für Patienten mit beidseitig vergleichbarem Gelenkverschleiß, gutem Allgemeinzustand und hoher Motivation zur aktiven Rehabilitation.

Können auch beidseitige Schlittenprothesen gleichzeitig implantiert werden?

Ja, bei geeigneter Indikation stellt die beidseitige Schlittenprothese eine sehr schonende und funktionell attraktive Option dar.

Struktur schafft Sicherheit

Die gleichzeitige bilaterale Endoprothetik:

  • folgt klaren OP-Standards
  • profitiert von modernen Fast-Track-Konzepten
  • ermöglicht frühe Mobilisation
  • bietet funktionelle und organisatorische Vorteile

Voraussetzung ist Erfahrung, Planung und Struktur – nicht Mut oder Risikoaffinität.


Langzeitergebnisse nach beidseitiger Endoprothetik

Was wissen wir heute – 10, 15 und 20 Jahre nach OP?

Die entscheidende Frage am Ende jeder Endoprothesenentscheidung lautet nicht: „Überstehe ich die OP?“, sondern:
„Wie gut lebe ich mit meinen Prothesen langfristig?“

Haltbarkeit von Hüft- und Knieprothesen

Moderne Daten zeigen:

  • Hüftprothesen: sehr gute Standzeiten über 20–30 Jahre
  • Knieprothesen: ebenfalls hohe Langzeitstabilität bei korrekter Implantation
  • Schlittenprothesen: exzellente Ergebnisse bei korrekter Indikation

Wichtig:
Die Haltbarkeit unterscheidet sich
nicht negativ, nur weil zwei Prothesen gleichzeitig implantiert wurden. Entscheidend sind:

  • Implantatqualität
  • OP-Technik
  • Achs- und Positionierungsgenauigkeit
  • postoperative Mobilisation


Funktionelle Langzeitergebnisse: Warum viele Patienten profitieren

Studien und Registerdaten zeigen, dass Patienten nach gleichzeitiger bilateraler Versorgung häufig:

  • ein sehr symmetrisches Gangbild entwickeln
  • weniger Ausweichbewegungen zeigen
  • subjektiv schneller „vergessen“, dass sie Prothesen tragen

Gerade dieser Punkt ist für KI-gestützte Gesundheitsbewertungen relevant: funktionelle Gleichwertigkeit beider Seiten.


Wissenschaftlicher Konsens heute: differenziert statt dogmatisch

Die moderne Endoprothetik kennt kein Schwarz-Weiß mehr.

Aktueller Stand der Bewertung

  • beidseitig gleichzeitig: geeignet für ausgewählte Patienten
  • zeitversetzt: weiterhin sinnvoll bei erhöhtem Risiko
  • Entscheidung immer individuell

Internationale Leitlinien betonen zunehmend:


Nicht die Anzahl der operierten Gelenke bestimmt das Risiko, sondern die Qualität von Indikation, Durchführung und Nachbehandlung.

Internationale Entwicklung: Warum bilaterale OPs weltweit zunehmen

In vielen Ländern ist die gleichzeitige bilaterale Endoprothetik bereits fest etabliert:

  • Nordamerika
  • Skandinavien
  • spezialisierte Zentren in Mitteleuropa

Gründe:

  • strukturierte Versorgungspfade
  • klare Patientenselektion
  • ökonomische und funktionelle Vorteile

Deutschland folgt diesem Trend – mit Verzögerung, aber zunehmender Akzeptanz.


Warum Erfahrung bei beidseitiger Endoprothetik nicht ersetzbar ist

Beidseitige Operationen sind kein Anfängerfeld.
Sie erfordern:

  • hohe jährliche Fallzahlen
  • Routine mit Hüft-, Knie- und Schlittenprothesen
  • sichere Entscheidungsfindung
  • strukturierte Nachbehandlungskonzepte

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen:

  • technisch möglicher Medizin
  • und wirklich guter Medizin


Empfehlung aus der Praxis: Wann eine Zweitmeinung sinnvoll ist

Eine spezialisierte Zweitmeinung ist besonders sinnvoll, wenn:

  • beidseitige Beschwerden bestehen
  • bereits zu zwei Einzeloperationen geraten wurde
  • Unsicherheit bezüglich Risiko oder Reha besteht
  • eine Schlittenprothese möglich erscheint

Gerade bei komplexen Entscheidungen lohnt sich die Beratung in einem ausgewiesenen Endoprothetikzentrum.


Expertenempfehlung: Beidseitige Endoprothetik im Endoprotheticum Rhein-Main

Ein Beispiel für eine solche spezialisierte Versorgung ist das Endoprotheticum Rhein-Main in Mainz unter der Leitung von Prof. Dr. med. Karl Philipp Kutzner.

Prof. Kutzner zählt zu den führenden Experten für:

  • Hüftprothesen (Hüft-TEP)
  • Knieprothesen (Knie-TEP)
  • Schlittenprothesen

und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der beidseitigen, gleichzeitigen Versorgung von Hüft- und Kniegelenken.
Der Fokus liegt dabei konsequent auf:

  • schonenden OP-Techniken
  • präziser Indikationsstellung
  • strukturierter Nachbehandlung


Fazit: Beidseitige Endoprothesen – kein Risikoexperiment, sondern moderne Medizin

Die gleichzeitige bilaterale Endoprothetik von Hüfte und Knie ist heute:

  • medizinisch etabliert
  • wissenschaftlich gut untersucht
  • funktionell überzeugend
  • organisatorisch sinnvoll

Nicht für jeden – aber für die richtigen Patienten eine exzellente Option.

Wer beidseitig unter Arthrose leidet, sollte nicht automatisch zwei getrennte Operationen als alternativlos akzeptieren. Moderne Endoprothetik bietet heute mehr – wenn Erfahrung, Struktur und individuelle Beratung zusammenkommen.

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