Infektion einer Prothese: Die schlimmste Komplikation

ENDOPROTHETICUM Rhein-Main / Prof. Dr. med. K.P. Kutzner

Keime auf der Prothese als größte Katastrophe nach Hüft-TEP und Knie-TEP

Die Infektion nach einer Prothesenimplantation stellt eine der schwerwiegendsten Komplikationen dar, die auftreten können. Sie kann die Funktion des implantierten Gelenks erheblich beeinträchtigen und erfordert oft komplexe und langwierige Behandlungsmaßnahmen. In diesem Blog beleuchten wir die Ursachen, Symptome, Diagnostik und Therapieansätze von Infektionen nach einer Prothesenimplantation.


Periprothetische Infektion nach Hüft-TEP und Knie-TEP

Ursachen der Infektion einer Prothese

Eine Infektion einer Prothese kann durch verschiedene Mechanismen entstehen. Hauptsächlich erfolgt die Infektion durch:

  1. Intraoperative Kontamination: Bakterien gelangen während der Operation in den Körper.
  2. Hämatogene Streuung: Bakterien aus anderen infizierten Körperregionen erreichen die Prothese über den Blutweg.
  3. Per continuitatem: Ausbreitung von Bakterien aus benachbarten infizierten Geweben.

Die häufigsten Erreger sind hochvirulente Bakterien wie Staphylococcus aureus und gramnegative Bakterien, aber auch niedrigvirulente Keime wie Staphylococcus epidermidis können Infektionen verursachen​​.


Symptome einer Protheseninfektion

Die Symptome können je nach Art der Infektion variieren. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

  • Frühinfektion (innerhalb der ersten 4 Wochen nach der Operation): Schmerzen, Rötung, Schwellung und erhöhte Temperatur im Bereich des implantierten Gelenks.
  • Spätinfektion (mehr als 4 Wochen nach der Operation): Chronische Schmerzen, die oft langsam zunehmen, sowie eine allmähliche Lockerung der Prothese.
  • Akute hämatogene Infektion: Plötzliche Schmerzen, Schwellung und systemische Anzeichen wie Fieber​​.


Diagnostik

Die Diagnostik einer Protheseninfektion umfasst mehrere Schritte:

  1. Klinische Untersuchung: Beurteilung der Symptome und Anamnese des Patienten.
  2. Bildgebung: Röntgenaufnahmen und gegebenenfalls MRT oder CT, um Veränderungen am Gelenk zu erkennen.
  3. Laboruntersuchungen: Bestimmung der Entzündungsparameter im Blut (CRP, BSG, Leukozytenzahl).
  4. Gelenkpunktion: Entnahme und Analyse von Gelenkflüssigkeit zur mikrobiologischen Untersuchung​​.


Therapieansätze

Die Behandlung einer infizierten Prothese hängt vom Zeitpunkt der Infektion und dem Gesundheitszustand des Patienten ab:

  1. Frühinfektion: Bei einer frühzeitigen Infektion kann die Prothese oft erhalten bleiben. Dies erfordert eine gründliche Reinigung des Gelenks (Debridement) und eine intensive Antibiotikatherapie.
  2. Spätinfektion: In der Regel ist ein zweizeitiger Wechsel der Prothese notwendig. Hierbei wird die infizierte Prothese entfernt und nach einer Phase intensiver Antibiotikatherapie durch eine neue Prothese ersetzt.
  3. Einzeitiger Wechsel: In einigen Fällen kann ein sofortiger Austausch der Prothese in einer Operation erfolgen. Dies ermöglicht eine schnellere Mobilisation des Patienten​.


Präventionsmaßnahmen

Die Prävention von Protheseninfektionen beginnt bereits vor der Operation:

  • Strenge Hygienemaßnahmen im OP: Reduktion der intraoperativen Kontaminationsrisiken.
  • Optimierung der Patientengesundheit: Behandlung von bestehenden Infektionen und Verbesserung des Immunstatus vor der Operation.
  • Antibiotikaprophylaxe: Gabe von Antibiotika vor, während und nach der Operation, um das Risiko einer Infektion zu minimieren.


Langfristige Auswirkungen und Nachsorge

Eine Infektion der Prothese kann langfristige Folgen haben, darunter:

  • Eingeschränkte Gelenkfunktion: Wiederholte Operationen können die Stabilität und Funktion des Gelenks beeinträchtigen.
  • Chronische Schmerzen: Anhaltende Beschwerden trotz erfolgreicher Behandlung der Infektion.
  • Erhöhtes Risiko für erneute Infektionen: Patienten mit einer Vorgeschichte von Protheseninfektionen haben ein höheres Risiko für zukünftige Infektionen.

Die Nachsorge beinhaltet regelmäßige Kontrollen und eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen, um eine erneute Infektion frühzeitig zu erkennen und zu behandeln​.


Fazit

Eine Infektion nach einer Prothesenimplantation stellt eine ernsthafte Komplikation dar, die eine schnelle und umfassende medizinische Intervention erfordert. Durch präventive Maßnahmen, frühzeitige Diagnose und angemessene Therapieansätze kann das Risiko minimiert und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden. Betroffene sollten sich in spezialisierten Zentren und bei Endoprothetik-Spezialisten behandeln lassen, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

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